Die Kirche

Kirche innen

Die Kirche wurde 1767 nach den Plänen von Johann Nicolaus Wenz, einem Schaurener Zimmermann, erbaut. Die Baukosten beliefen sich auf 1174 Gulden. Neben der Kirchen-Gemeinde beteiligte sich daran die Landesherrschaft über das Amt Wildenburg mit 200 Gulden und der Hütten- und Hammerbesitzer Stumm mit einem Kredit über 300 Gulden. Dafür wurde in der Kirche unter der Empore rechts der Familie Stumm eine eigne Loge reserviert.

Die Kirche ist als Saalbau in O -W Richtung, mit Eingang im Westen und dreiseitigem Abschluss im Osten ausgeführt. Der Turm, in Form eines Dachreiters, ist im westlichen Teil über eine quadratische Grundfläche aufgesetzt; in der Zwischengliederung geht er in ein 8-Eck über. Im Eingangsbereich ist ein Vordach auf 4 Säulen aufgesetzt, eine für den Hunsrück typische Stilform. Alle Dachflächen sind mit heimischem Schiefer gedeckt. Die Eingangstür ist zweiflüglig und mit Holzschnitzereien versehen. Das saalartige Schiff ist mit einer Holzdecke überwölbt. 7 Rundbogenfenster, bleiverglast in Eisenrahmen, spenden Licht; das Glas ist neueren Datums, die Rahmen sind original, aus Hunsrücker Eisen.

Altar und Kanzel bilden an der Ostseite eine schöne optische Einheit. Das Gestühl entlang der 5-seitigen Chorwände bot und bietet noch für die Presbyter „Stammplätze": 

  • Kirchenälteste / Presbyter (rechts) 
  • 2 Zensoren / Sittenwächter (rechts) –ein Relikt aus der vom Sittenverfall geprägten Zeit nach dem 30- jähr. Krieg
  • Pfarrer und Familie (links)

Auch für die anderen Gottesdienstteilnehmer gab es früher eine Sitzordnung. In Blickrichtung Altar saßen die Frauen rechts und die Männer links sowie auf der Empore.

Die Westseite im Kirchenschiff wird von der 2-flügligen Empore dominiert, die auf 6 imitierten korinthischen Säulen ruht. Sie trägt eine der berühmten Stummorgeln aus dem Jahre 1780, die in ein Rokokogehäuse eingebettet ist.

Die Ausschmückung der Kirche entspricht so gar nicht dem eher strengen Geist der reformierten Kirche, macht aber das Gotteshaus wärmer und heimeliger. Starke Anklänge an tiroler und bayrische Stilelemente zeigt die reiche Ausmalung des Kirchenschiffes. In ihrer Art wird sie als Bauernbarock bezeichnet.

Alle Bildtafeln sind schlicht gehalten, klar gegliedert, dabei farbenfroh gestaltet und mit einer Blattgoldumrandung versehen. Die dargestellten Gesichter zeigen durchwegs einen bäuerlichen Einschlag. Die Deckenausmalung über Altar und Kanzel stellt die Grundtatsachen des christlichen Bekenntnisses dar:

  1. Jesu Taufe mit Proklamation zum Sohn Gottes
  2. Kreuzigung mit Sündenvergebung
  3. Auferstehung mit Andeutung Himmelfahrt Christi.

Die Rautenmuster an der Decke bieten einen merkwürdigen Effekt, ob gewollt oder ungewollt ist nicht bekannt; bei längerer Betrachtung beginnen sie sich zu verschieben.

An der Kanzelrückwand wirkt die Darstellung des predigenden Jesus als Blickfang. Auf der Kanzelbrüstung sind 5 Tafeln zu sehen, vorn „ich bin ein guter Hirte" und an den Seiten die 4 Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Beachtenswert ist hier, dass Gehrungsstreifen die Tafelflächen vergrößern und bestimmte Tafeln aus mehreren Teilen so zusammengefügt sind, dass als Hintergrund ein Stern, ein Rhombus und ein Kreuz entstehen.

18 Bildtafeln an der Emporenbrüstung geben das sichtbare Evangelium wieder. Die Unterschriften der Tafeln verweisen auf Texte im neuen Testament.

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Mit Blick auf die Empore von links beginnend stellen die Bildtafeln dar:

  1. Ankündigung der Geburt Christi
  2. Geburt und Anbetung Christi
  3. Beschneidung Christi
  4. Christus als 12 jähriger Lehrer
  5. Hochzeit zu Cana
  6. Christus macht Blinde sehend
  7. Auferweckung des Lazarus
  8. Jüngling zu nain
  9. Gehe hin dein sohn ist gesund
  10. Megdelein stehe auf
  11. Jesu wunder speisung 5000 männer
  12. Jesus wandelt auf dem maere
  13. Jesus heilet 10 aussäzzige
  14. Jesus heilet wunderbar zu betesda
  15. Jesus heilet wunderbar aller art krancken
  16. Jesus Richterspruch über eine ehebrecherin
  17. Jesus treibet Teufel aus
  18. Ein bludtflüssiges weib wird durch anrührung Christ Kleider gesund

Die so reiche Ausmalung der Kirche, sie ist übrigens in gleicher Stilrichtung vollzogen wie in den Kirchen von Bruchweiler, Stipshausen und Krummenau, wirft zwangsläufig die Frage nach dem Künstler auf; er ist unbekannt und lässt sich nur vermuten. Eine Vermutung zielt auf die Künstlerfamilie Engisch, auf die viele Arbeiten in der Region zurückgehen. Sie stammt aus Davos/Graubünden und war in Kirn ansässig. Am wahrscheinlichsten erscheint jedoch die These, dass ein gewisser Franz Freundt aus Kastellaun der gesuchte Künstler ist. Lebenszeit (1729-1795), Schriftweise und Malstil sprechen dafür.

Das kleine bisschen Mehr

Heutzutage wird das Gotteshaus mit Hilfe einer Warmluftheizung, die im Pfarrhaus angeschlossen ist, beheizt, früher stand zu diesem Zwecke zwischen den Bankreihen ein großer eckiger Eisenofen. Der Standort ist noch durch eine ausgespachtelte Bankwange, hierdurch wurden Hitzeschäden beseitigt, und eine mit Deckel verschlossene Öffnung für das Ofenrohr in der Kirchendecke erkennbar.

In Zeiten ohne Elektrizität wurden der Blasebalg für die Orgel und das Turmgeläut noch durch Manneskraft betrieben; Gestänge und Seile wurden hierzu durch die Decke zum Kirchenboden bzw. in den Turm geführt. Die Durchbrüche sind hinter der Orgel an der Decke noch gut erkennbar.

Das ursprüngliche Werk der Turmuhr ist, wenn auch nicht mehr funktionsfähig, im Turm vorhanden.

Die Kirche nennt im übrigen auch einen Schatz und ein „Schätzchen" ihr Eigen. Der Schatz ist ein Abendmahlskelch aus dem Jahre 1280; es ist eines der ältesten Exemplare seiner Art im Rheinland. Das Material ist vergoldetes Silber, allerdings von starken Gebrauchsspuren gekennzeichnet. Das „Schätzchen" ist die Bibel am Altar; sie ist ein Geschenk des ehemaligen Bundestagspräsidenten von 1954 bis 1969, Eugen Gerstenmaier und ist mit seiner eigenhändigen Widmung versehen. Die Kirche war zeitweise seine „Hauskirche", da er ein ehemaliger Nutzer des Vierherrenwald-Schlösschens oberhalb Schaurens war.

Um Kirche und Inventar zu erhalten bedarf es ständiger Pflege und teurer Restaurierungsmaßnahmen. Die letzte umfangreiche Restaurierung von Kirche und Orgel wurde in 2 Etappen in den 50-iger und 60-iger Jahren unter Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege in Mainz durchgeführt. Die notwendigen Arbeiten führten die Restauratoren Herr und Frau Diernhöfer (siehe Eintrag in der Stummschen Loge), die Orgelwerkstatt Oberlinger und die ortsansässigen Schreiner- und der Malerbetriebe durch.

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